Business Case, Quantenphysik und die Gesetze von Schätzungen

von Jason 6 05 2008

Wir sind momentan ziemlich beschäftigt mit unserem Business Case. Sollte man ja eigentlich nicht für möglich halten bei drei ehemaligen Beratern, deren früheres Leben ja zu 10-20 % aus der Erstellung, Verifizierung und Begutachtung von irgendwelchen Business Cases bestand. Tja, da wir aber auch selber jahrelang sehen konnten, wie sehr Prognosen über die Zukunft mit Unsicherheit behaftet sind, will man sich ja beim eigenen Baby ganz besonders viel Mühe geben, die “Wahrheit” sozusagen in Excel zu pressen.

Auch wenn es am Ende doch Glaskugelweitwerfen ist, was wir da - auf allerhöchstem Niveau - zusammenmixen. Unser Excelsheet ist mittlerweile dreidimensional und wenn wir nicht aufpassen, werden wir damit auch noch die Heisenbergsche Unschärferelation und andere Mysterien der Quantenphysik erklären können ;-) . Der Nobelpreis hierfür gebührt aber in erster Linie Lizzy, die beim jährlichen Beraterschnell- und tiefexceln jahrelang unter den Top 5 lag. Weltweit wohlgemerkt!

To whom it may concern - sei schon jetzt gesagt - es wird eine wahre Lesefreude…

Das klassische Problem bei der Erstellung von technologie-basierten Cases ist ja typischerweise dieses: kurzfristig betrachtet werden die Wachstumserwartungen zum Teil signifikant überschätzt und langfristig zumeist dramatisch unterschätzt. Das traf bei der Betrachtung der Mobilfunkmärkte gleichermaßen zu wie bei der Abschätzung der Entwicklung von DSL oder Internet-Nutzung ganz generell. Ich weiß noch, dass wir 1996 den deutschen Mobilfunkmarkt im Jahr 2000 auf 12 Mio. Nutzer geschätzt haben und 1998 dann bereits auf 16 Mio. Beide Male fanden unsere Auftraggeber diese Schätzungen sehr aggressiv - typisch Berater halt - so hiess es. Ende 2000 waren es dann tatsächlich 48 Mio. Handy-User in Deutschland! Ähnlich ging es bei DSL zu: in 2004 haben wir mit 13 Mio. Usern für 2008 gerechnet, ich denke, es werden wohl 20 Mio. werden zum Jahresende…Und da sind sie wieder - die Quantensprünge :-)

Und was bedeutet das jetzt alles für unseren Case (und andere Gründer, die das hier vielleicht lesen)?? Hier ein paar Learnings - die wir grad wieder etwas “refreshen” konnten:

- Auch wenn alles ungewiß ist, lohnt es sich doch, mit Sorgfalt und Mühe an die Sache ran zu gehen, etwas mehr Zeit kann hier nicht selten deutlich mehr Qualität bedeuten

- Am Anfang mal mit dem dicken Daumen ne schnelle 80:20 Abschätzung abgeben - als guter Startpunkt und Korrekturfaktor, wenn man sich später in den Detailtiefen verliert - einfach mal schauen, was haben wir eigentlich am Anfang geglaubt, was da rauskommen wird. Aus zig Jahren Beratung wissen wir: 80:20 ist immer schon sehr nah am Endergebnis.

- Die “Architektur” ist entscheidend: worauf baut was auf - welche Annahmen bzgl. Abhängigkeiten, Mustern und Systematiken stecken hinter dem eigenen Geschäftsmodell - hat man das einmal halbwegs durchschaut, ist das auch sehr hilfreich für das tägliche Arbeitsprogramm…was treibt den Erfolg…?

- Die typische S-Kurve gilt für den Abverkauf von neuen BMW-Modellen gleichermaßen wie für Internet-Start-ups, sie sollte das Rückgrat für jeden Case sein

- Cross-Checks und Plausibilitätstests sind immer hilfreich, insbesondere mit Blick auf das Ende der Betrachtungsperiode

- Niemals Benchmarks vergessen, vieles weiß man selber nicht, aber andere…und auch ein Blick auf die Wettbewerber- und Marktentwicklungen schadet nie - DS, Basic und andere bieten ja genug Anschauungsmaterial

- Und immer an die Leser denken ( der alte Markwort-Spruch), d.h. ein Cover-Sheet, eine oder mehrere Summary-Sheets sowie “Büüülder” im und um den Case herum (ppt) helfen ungemein, sich im Zahlengewirr schnell zurecht zu finden…

- Ach, ja, da war doch noch was: …und irgendjemand sollte Excel können…..(möglichst richtig… :-) )


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5 Antworten zu “Business Case, Quantenphysik und die Gesetze von Schätzungen”

6 05 2008
Lizzy (12:26:27) :

ich geh jetzt erstmal schlafen….

16 05 2008
Frank Engel (17:14:38) :

Ich warte immer noch auf ein XCL-Plugin mit dem ich in der Grafik die Kurve so schieben kann bis sie passt. Auf dem Zahlensheet ändern sich dann die Parameter dynamisch… Würde viel Arbeit ersparen…

Sozusagen ein GUI für BCs ;)

16 05 2008
Frank Engel » Der perfekte Business Case… » (17:25:07) :

[...] von connys beitrag zu bcs im woobby blog kam mir, auch aufgrund aktueller beschäftigung mit den rechteckigen kästchen, wieder ein alter [...]

20 06 2008
Alex (16:34:40) :

Die kritische Frag ist immer “Wann wird die S-Kurve so richtig steil?” Wir wissen alle es kommt, aber wissen nicht wann. Da kann eine bell-shaped Kurve von Adopters helfen: Innovators, Early Adopters, Massen, Late Adopters, Laggards. Angenommen Innovators sind ca. 8% der gesamten potenziellen Kundenbasis, und angenommen die Schätzungen der Basis sind richtig, weisst man wann die S-Kurve nach oben zieht - nähmlich wenn Innovators ausgeschöpft sind und Early Adopters nachziehen.

20 06 2008

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