Kontroverses Ranking: Deutsche Bahn - Streiken bis der Schlichter kommt…?
von Tobi 17 10 2007Eine Woche ist nun vergangen, seitdem wir Euch unser erstes Ranking mit kontroversem Charakter vorgestellt haben: „An welchen Orten sollte das Rauchen verboten sein?“. Mit fast 100 Views ist dieses Ranking definitiv in die Oberliga der Rankings aufgestiegen. Eure hohe Beteiligung an dieser aktuellen politischen Frage hat uns dazu bewogen, die Reihe „kontroverses Ranking“ fortzusetzen und so stellen wir Euch diese Woche auch wieder eine Frage zu einem Thema, das sicher viele von Euch betrifft…
Seit Wochen und Monaten ist nun schon die Diskussion im Gange um die Tarifverträge der Lokomotivführer der Deutschen Bahn. Viel wurde darüber geredet, einige Streiks waren angekündigt und in den letzten Tagen ist es auch tatsächlich dazu gekommen. Die Menschen, die vor allem das Nachsehen hatten, waren aber nicht die Mitarbeiter der DB, sondern vor allen Dingen die Kunden, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Aber es entstanden auch viele Folgeschäden, so waren dutzende Autobahnen verstopft, aber auch die Innenstädte haben sich mehr denn je gefüllt. Auf der anderen Seite stehen die Lokführer, die sich aufgrund ihrer hohen Verantwortung, die ihr Beruf nun mal mit sich bringt, als zu gering bezahlt fühlen.
Eine sehr folgenschwere Problematik, deshalb fragen wir nun Euch: „Wie steht Ihr zu Lokführer Streiks der Deutschen Bahn?“ Sagt uns Eure Meinung und beteiligt Euch hier an der aktuellen Diskussion. Wir freuen uns über Eure Kommentare!
Viel Spaß beim woobbeln
Euer Tobi/PotentiellerPartyPirat
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Jezzet geht mir doch das Lied von der Schwäbischen Eisenbahn nicht aus dem Kopf…Schtuagart, Ulm, and Biberach, Mekkabeure, Durlesbach: Trulla, trulla, trulla-la.. - für Nicht-Schwaben zum Mitsingen hier:
http://www.elkeswelt.de/schwaebisch/slied.htm#Eisenbahn
Bitte nicht.
Aisre Sproch isch ons hailig!
“Böckle, tue nuer woidle springe,
’s Fresse wer’ i dir scho bringe” - das ist wirklich ganz große Kunst! wir mussten - obgleich den Schwaben spinnefeinden Badener - das immer in der Unterstufe singen
Aber ich wollte eigentlich was zum Streik sagen:
Also jeder der sich wegen der Streiks empört, müsste glühender Flächentarif-Verfechter sein. Tatsächlich haben viele die aber die Unternehmer-Mainstream- (aber inkonsistente Meinung): “Streik schlecht, Flächentarif schlecht.”
Wo liegt der Zusammenhang? Nun es ist doch gerade die Aushöhlung des Flächentarifvertrags, die zu Abspaltungstendenen von Teilgewerkschaften wie der GDL führt. Der Flächentarif hat jahrzehntelang für hohen sozialen Frieden und Stabilität gesorgt. Die Arbeitnehmer wollten jedoch “mehr Wettbewerb” und damit die Abschaffung des Flächentarifvertrages. Dummerweise für die Arbeitgeber bedeutet “mehr Wettbewerb” aber nicht zwangsläufig sich gegenseitig in Lohnforderungen unterbietende Arbeitnehmer. Sondern marktwirtschaftlich streng verhandelnde Arbeitnehmer, die natürlich ihre “Machtposition” ausnutzen. Das ist doch gerade die Essenz von auf “Markt” reduzierten Verhandlungen, dass Machtpositionen ausgespielt werden!
Das nun den GDLern zum Vorwurf zu machen, und gleichzeitig die Aushöhlung des Flächentarifs zu befürworten, ist paradox. Wer nach Wettbewerb und Markt schreit, muss schon akzeptieren, dass auch die Arbeitnehmer sich die Spielregeln des Marktes zu eigen machen…
Völlig lächerlich machen sich Diskutanden, die im Zusammenhang mit dem GDL-Streik reflexartig auf gefährdete Arbeitsplätze verweisen. Womöglich mit dem Hinweis darauf, dass zukünftig in China mehr Züge fahren werden als in Deutschland
Nein an dem Beispiel wird wirklich deutlich, wie das Arbeitsplatzargument häufig nur als Einschüchterungskeule ohne jede faktische Substanz gebraucht wird. Die GDLer könnten 60% mehr Lohn fordern, und kein einziger Arbeitsplatz wäre gefährdet. Der Ticketpreis hängt nun wirklich nicht vom Gehalt des einen Lokführers ab, da gibt es andere Kostenblöcke. Und selbst wenn sich die Tickets im Preis verdreifachen würden und die Fahrgäste auf andere Verkehrsmittel umsteigen würden - volkswirtschaftlich ist nicht ersichtlich, warum die Menge der Arbeitsplätze dann abnehmen sollte; höchstens eine Verschiebung zwischen Verkehrsträgersegmenten würde sich einstellen.
WOW! Tobias, scheint ja wirklich ein kontroverses Thema zu sein. Das war definitiv der längste Blogkommentar seit Bestehen dieses Blogs!! Und zustimmen kann ich Dir auch! Obwohl oder vielleicht gerade weil ich glücklicherweise momentan nicht unter den Bahnstreiks leide…