barcamp Hamburg 3: Offshoring in der Mongolei?

von Jason 12 06 2007

Auch Hamburg ist von der Globalisierung erfasst worden. Auch (oder gerade ;-) ) Internet Start-ups müssen Kosten sparen. Und deswegen war die Session, die Serial-Gründer Sven Schmidt von Getgo / Dealjäger / Verwandt.de etc. und Cem Basman zum Thema Offshoring / Nearshoring gemeinsam durchgeführt haben, gut besucht. Und wir haben interessante Erfahrungsberichte gehört. Im wesentlichen ging es um Entwicklerkapazitäten, die aus Kostengründen ins nahe oder ferne Ausland vergeben werden sollen.

Während in Deutschland ein sehr guter Entwickler vierstellige Tagessätze verlangen kann und ein durchschnittlich guter immerhin noch mit 600 EURO/Tag kalkuliert werden muss, sind Programmierleistungen in den erweiterten EU-Ländern wie Polen, Tschechien, Kroatien und Ungarn durchschnittlich für einen Stundensatz von 25 -30 EURO zu bekommen. Dieses Einsparungspotential von mehr als 50% der deutschen Kosten muss allerdings relativiert werden, da viele Unwägbarkeiten (Qualität, Kommunikation/Sprachprobleme, Steuerung, Lieferzeiten, Geschäftsgepflogenheiten, Sicherheit) mit einer Vergabe ins Ausland verbunden sind. Da diese Resourcen nicht aus dem Himmel fallen, dürfen erstmal 9-10% Vermittlungsprovision aufgebracht werden. Am Ende nach Abzug aller zusätzlichen Transaktionskosten / Qualitätsproblemen bleiben vielleicht Einsparungen von 20% übrig. Also sicher kein Selbstläufer, sondern etwas, was gut geplant, koordiniert und gesteuert werden will.

Ein paar interessante Anmerkungen / Facts from Experience, die uns beide mitgeteilt haben:

- Inder und Chinesen sind für überschaubare Auftragsgrößen (25k-100/500k) wohl definitiv nicht die richtige Wahl - in Indien mag es zwar Trillionen gut ausgebildeter Programmier geben, aber im Zweifelsfall waren Tata, Wipro oder Accenture und IBM schon schneller. In China sind es die Kommunikation und das völlig andere Verständnis, wie Websites zu designen sind

- Das Designproblem fängt allerdings schon in Frankreich an - Webdesign scheint doch eher ein lokales Thema zu sein

- 3 exzellente Programmier mag man wohl in der Mongolei finden, die restlichen 200 sind aber eher noch in der Grundausbildung…

- Ukraine, Bulgarien und Rumänien sind Ausflugsziele für Offshore-Experten, die wohl vielversprechend sind. Aber auch hier gilt: ohne Anlaufpunkt in Deutschland wird eine Steuerung sehr schwierig…

- …allerdings Skype hat es vorgemacht: 90 % der Plattform sind laut Cem in Estland programmiert worden - also doch: Auf in den Osten?

Wir haben unser Globalisierungsbestrebungen momentan noch auf Köln Raderthal beschränkt ;-) Very near nearshoring…

So das wars von der barcamp Hamburg Berichterstattung!

Jason

Update 20.6.2007:
Gerade einen Artikel bei Gründerraum gefunden, der sich dem gleichen Thema widmet und noch ein paar interessante Beispiele von Erfahrungen anderer Start-ups enthält.


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