Wirklich lesenswert für alle, die sich grad im Gründerfieber befinden - wie wir;-) - ist ein aktuelles Interview im FOCUS mit Douglas Leone, seit fast 20 Jahren beim “legendären” VC Sequoia (die, die Google, Yahoo!, Youtube, Apple und aktuell JAJAH finanziert haben und - zumindest in den zuerst genannten Fällen auch sehr gut daran verdient haben). Das Interview ist leider nicht online verfügbar.
Leone beschreibt dort in einem ernüchternd nüchternen Ton, wie er arbeitet: “Von den etwa 40 Businessplänen, die jede Woche auf meinem Tisch landen, bekommen 25 genau zwei Minuten meiner Zeit. Zehn weitere Businesspläne bekommen vielleicht fünf Minuten, und gerade zwei oder drei Businesspläne bekommen eine halbe Stunde. Von den 40 Unternehmen lade ich zwei zu einem Gespräch ein. Alle anderen bekommen eine freundliche Absage, die ich entweder Sonntagnacht oder Montagmorgen schreibe.”
Und gefragt, was er von jungen Gründern erwarte, antwortet er: “Eine Vision, die letzendlich in einem Businessplan mündet. Wenn diese Vision gut ist, dann wird die Unternehmung auch zu einem Geschäft. Wenn nicht, dann bleibt es eben nur eine Story.” und “Wer nicht in der Lage ist, seine Idee klar zu formulieren, der hat auch keine klare Vision.”
Und zum obligatorischen 3-Minuten Pitch: “Der Inhalt eines solchen Pitches darf bei mir gerade so lange sein wie das, was Sie hinten auf Ihre Visitenkarte schreiben können. Die Rückseite einer Visitenkarte ist es, die den härtesten Schritt zum Unternehmertum darstellt. Eine knappe Antwort auf die Frage: `Und was machen Sie?´”
Wir werden uns als nächstes Visitenkarten besorgen…(kleine Bemerkung am Rande: Das namenlose Start-up hat seit heute morgen einen Namen, zumindest einen für unsere neue Firma. Entstanden morgens unter der Dusche…)
Bezogen auf die unzähligen neuen Web 2.0 Start-ups kommt er dann zu einem harschen Urteil: “Im Moment gleicht die Situation im Silicon Valley sehr stark derjenigen, die wir während der New Economy erlebt haben. Wir stecken wieder in einer großen Blase.” und “Diese Blase ist genauso groß wie im Katastrophenjahr 1999. Für einen Venture Capitalist sind das derzeit Furcht einflößende Zeiten.”
Und auf die Frage nach dem nächsten großen Ding antwortet er staubtrocken und sehr nett: “Ich hab´s schon mal gesagt: Ich weiß es nicht. Ich hab dafür kein Gefühl. Gefühle, Bauchentscheidungen und Instinkte sind für mich alles Synonyme für Geldverluste.”
Am interessantesten fand ich allerdings die Passage über die Arbeitsweise von Sequoia: “Wir konzentrieren unser ganzes Denken auf Märkte, denn das ist der Punkt, auf den wir als Venture Capitalist keinerlei Einfluss haben. Wir können Leute beeinflussen und die Technologie -aber nicht den Markt. Wenn der Markt nicht existiert, bist du tot. Andere Venture Capitalists reden über Technologie, andere über Menschen. Bei uns geht alles um Märkte.”
Und zu guter Letzt äußert er sein Bedauern über das “Verkaufenmüssen” von Youtube. Sequoia hatte hier meines Wissens nach etwa 30 Mio Dollar investiert und um die 450-500 Mio Dollar zurückbekommen, was ja nicht so ganz übel war…”Sicherlich haben wir eine Menge Geld damit gemacht, aber wir haben durch den Verkauf auch eine ganze Menge Geld verloren.” Ein Gedanke, der sich für einen Außenstehenden erst näher erschließt, wenn man realisiert, dass Google heute mit 147 Mrd Dollar und Yahoo! mit 38 Mrd Dollar an der NASDAQ notierten…
Also trotz aller Blasen, die in der Luft zerplatzen, es scheint bei so manchen Konzept doch noch Luft nach oben zu geben….
Ob dies auch für Twitter und Co gilt, die interessanter / ironischer(?) weise in einem Artikel direkt nach dem Leone-Interview vorgestellt wurden, steht allerdings auf einem anderen, noch nicht fertig beschriebenem Blatt…
Lehrreich…sicherlich auch für die Gestaltung unseres Business Plans, den wir in den nächsten Tagen detaillieren wollen…
Jason
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